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Virtualisierung als Wunderkur? Datenbank-Virtualisierung im CRM-Umfeld

2. Februar 2012

Peter Geigle, Essential Bytes GmbH & Co. KG

Die Erwartungen an Virtualisierungen sind hoch. Auch im Bereich Customer-Relationship-Management versprechen sich Unternehmen durch die Virtualisierung der an ein CRM-System angeschlossenen Datenbanken positive Effekte: Doch können virtualisierte Datenbankumgebungen den Ansprüchen der Anwender immer gerecht werden?

Dass Unternehmen die Virtualisierung ihrer Datenbanken als eine Art Allheilmittel betrachten, verwundert angesichts der aktuellen Popularität und propagierter Vorteile nicht. Die Schaffung von Redundanzen, die optimale Auslastung vorhandener Hardware und die vereinfachte Verwaltung des Hardware-Systems gelten als Pluspunkte des Konzepts. Gleiches gilt für die Unabhängigkeit der virtuellen Maschinen gegenüber Änderungen in der IT-Infrastruktur. Zusätzlich erwarten Unternehmen durch die Virtualisierung auch Ersparnisse bei Hardware-Ressourcen, Wartung und Strom. Leider zeigt sich im Livebetrieb nicht immer der erhoffte Mehrwert, sondern schlimmstenfalls ein neuer Bremsklotz für die IT. Soll etwa eine der weit verbreiteten Oracle-Datenbankumgebungen virtualisiert werden, auf die zum Beispiel ein Siebel-CRM zugreift, müssen einige Aspekte während der Planungsphase beachtet werden.

Keine Virtualisierung ohne leistungsstarke Hardware

Ein Trugschluss ist die Annahme, mittels Virtualisierung ein starkes Datenwachstum kontrollieren zu können. Auch sollten keine Datenbanksysteme virtualisiert werden, die einen leistungsfähigen Server bereits auslasten. Stattdessen muss die vom Host zur Verfügung gestellte Rechenleistung so effizient wie möglich für alle virtuellen Maschinen genutzt werden. Hierbei kommt der Analyse des Lastverhaltens über den gesamten Tag und der Ermittlung des Ressourcenbedarfs der Datenbank eine entscheidende Bedeutung zu. Gerade bei groß dimensionierten und stark frequentierten Datenbanken können Performance-Einbußen von bis zu 30 Prozent entstehen, wenn die Virtualisierung nicht optimal geplant und umgesetzt wurde. Diese Tatsache sollten besonders solche Unternehmen beachten, die über ihr CRM-System sehr aktiv mit der Datenbank interagieren. Werden durch die Virtualisierung Hardware-Ressourcen eingespart, steht dem oftmals ein gravierender Abfall in der Leistungsfähigkeit der Datenbank gegenüber.

Grundsätzlich benötigen Datenbanken eine Fülle von Ressourcen. Um zukünftigem Datenwachstum adäquat zu begegnen, muss ausreichender Speicherplatz sichergestellt sein. Gleichzeitig ist ein möglichst schnelles Plattensystem erforderlich, damit der Transfer an das Datenbanksystem mit wenig Verzögerung stattfindet. Am besten sind hierfür Storage-Systeme geeignet, die viele Platten beinhalten und über mehrere Controller angebunden werden. Ein möglichst groß dimensionierter Hauptspeicher ist ebenfalls wichtig, in dem das Datenbanksystem die Daten verarbeiten kann. Schließlich werden hier der Datenbank-Cache angelegt und auch die Arbeitsbereiche für die einzelnen System- und Benutzer-Sessions bereitgestellt.

Der dritte bedeutende Faktor für die Leistungsfähigkeit der Datenbank ist die CPU. Nur mit modernen und leistungsstarken Prozessoren können Daten uneingeschränkt verarbeitet werden. Die Leistungsfähigkeit dieser drei Komponenten ist sowohl für ein natives als auch ein virtualisiertes Datenbanksystem entscheidend. Allerdings offenbaren sich Schwachstellen und Engpässe in einer virtualisierten Umgebung wesentlich schneller und wirken sich dann negativ auf den Betrieb aus.

Kostenpunkt der nötigen Lizenzen beachten

Eine weitere Fußangel von Virtualisierungs-Projekten liegt in der Lizenzierung der Software. Denn Oracle-Datenbanken erfordern bei einer Software-Virtualisierung über die gängige VMware-Plattform die Lizenzierung aller Prozessoren, auf die der Virtualisierungs-Cluster theoretisch zugreifen könnte. Ganz unabhängig davon, wie viele Prozessoren wirklich durch die Datenbank genutzt werden, können an dieser Stelle zusätzliche Lizenzkosten entstehen. Nutzt beispielsweise die virtuelle Maschine der Datenbank vier Prozessoren, der darunter liegende VMware-Cluster aber durch acht Quad-Core-CPUs 32 Prozessorkerne, so müssen all diese 32 Prozessoren lizenziert werden. Auch der Support durch den Datenbankhersteller sollte bei der Inbetriebnahme einer Virtualisierung beachtet werden. Je nach Art der Virtualisierungs-Software ist es möglich, dass im Supportfall das jeweilige Problem auf einer nicht virtualisierten Hardware nachgestellt werden muss.

Die Virtualisierung von Datenbanksystemen ist also nicht das uneingeschränkte und universell anwendbare Allheilmittel für Probleme mit Performance und Verfügbarkeit. Insbesondere transaktionsstarke und ressourcenfordernde Datenbanken verlangen im Vergleich mit Niedriglast- oder Testsystemen nach einer besonders detaillierten Planung der Virtualisierung. Unter Berücksichtigung der hier erwähnten Eckpunkte kann jedoch auch für große und an ein CRM-System angebundene Datenbanken ein Konzept entwickelt werden, mit dem die Virtualisierung Sinn macht.

www.essential-bytes.de

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